Was ist eine Künstliche Befruchtung Wunsch nach einem eigenen Kind gehört für viele Menschen zu den wichtigsten Lebenszielen. Doch nicht bei jedem Paar tritt eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg ein. Bleibt eine Schwangerschaft trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs über einen längeren Zeitraum aus, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein. In manchen Fällen kommt dann eine künstliche Befruchtung infrage.
Doch was ist eine künstliche Befruchtung eigentlich genau? Wie funktioniert sie? Welche Methoden gibt es und für wen ist sie geeignet?
In diesem Ratgeber erfahren Sie einfach und verständlich, was hinter einer künstlichen Befruchtung steckt, wie die Behandlung abläuft, welche Chancen und Risiken bestehen und wann eine Beratung in einer Kinderwunschklinik sinnvoll sein kann.
Was ist eine künstliche Befruchtung?
Eine künstliche Befruchtung ist ein medizinisches Verfahren, das Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch dabei unterstützen kann, schwanger zu werden. Dabei wird die Befruchtung der Eizelle gezielt medizinisch unterstützt oder außerhalb des Körpers durchgeführt – je nach Ursache der Fruchtbarkeitsstörung.
Das Ziel besteht darin, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Welche Methode eingesetzt wird, hängt unter anderem von den Ursachen des unerfüllten Kinderwunsches sowie von Alter und Gesundheitszustand der Betroffenen ab.
Wann kommt eine künstliche Befruchtung infrage?
Nicht jedes Paar mit Kinderwunsch benötigt sofort eine künstliche Befruchtung. Häufig erfolgt zunächst eine umfassende medizinische Untersuchung.
Eine Behandlung kann beispielsweise infrage kommen, wenn:
- trotz regelmäßigem ungeschütztem Geschlechtsverkehr über längere Zeit keine Schwangerschaft eintritt,
- die Spermienqualität eingeschränkt ist,
- die Eileiter verschlossen oder geschädigt sind,
- der Eisprung ausbleibt oder unregelmäßig erfolgt,
- eine Endometriose die Fruchtbarkeit beeinträchtigt,
- die Ursache zunächst unklar bleibt.
Die Entscheidung erfolgt immer gemeinsam mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Reproduktionsmedizin.
Welche Ursachen können einen unerfüllten Kinderwunsch haben?
Die Gründe sind sehr unterschiedlich und betreffen Frauen und Männer gleichermaßen.
Mögliche Ursachen bei Frauen sind:
- hormonelle Störungen,
- Endometriose,
- Veränderungen der Eileiter,
- höheres Alter,
- Erkrankungen der Eierstöcke.
Mögliche Ursachen bei Männern sind:
- verminderte Spermienzahl,
- eingeschränkte Beweglichkeit der Spermien,
- Veränderungen der Spermienform,
- hormonelle Störungen.
In einigen Fällen lässt sich trotz umfangreicher Untersuchungen keine eindeutige Ursache feststellen.
Welche Rolle spielt die Schilddrüse?
Die Schilddrüse beeinflusst zahlreiche Stoffwechselvorgänge und spielt auch für den Hormonhaushalt eine wichtige Rolle. Sowohl eine Unterfunktion als auch eine Überfunktion können sich auf den Menstruationszyklus und die Fruchtbarkeit auswirken.
Wenn der Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung besteht, kann eine frühzeitige Untersuchung hilfreich sein. Weitere Informationen finden Sie in unserem Beitrag Arzt für Schilddrüsenerkrankung.
Welche Methoden der künstlichen Befruchtung gibt es?
Je nach Ursache kommen unterschiedliche Verfahren infrage.
Zu den bekanntesten gehören:
- Insemination (IUI),
- In-vitro-Fertilisation (IVF),
- Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI).
Alle Verfahren verfolgen dasselbe Ziel, unterscheiden sich jedoch im Ablauf.
Die Insemination (IUI)
Bei der Insemination werden speziell aufbereitete Spermien zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutter eingebracht.
Diese Methode wird häufig eingesetzt, wenn:
- die Spermienqualität leicht eingeschränkt ist,
- Probleme mit dem Gebärmutterhals bestehen,
- die Ursache des unerfüllten Kinderwunsches nicht eindeutig geklärt werden kann.
Die Befruchtung findet anschließend weiterhin im Körper der Frau statt.
Die In-vitro-Fertilisation (IVF)
Die IVF gehört zu den bekanntesten Methoden der künstlichen Befruchtung.
Dabei werden zunächst mehrere Eizellen hormonell heranreifen gelassen und anschließend entnommen.
Nach der Entnahme erfolgt die Befruchtung der Eizellen unter kontrollierten Laborbedingungen. Entwickeln sich Embryonen, können ein oder mehrere Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden.
Diese Methode kommt beispielsweise infrage, wenn die Eileiter verschlossen sind oder andere Ursachen eine natürliche Befruchtung erschweren.
Die ICSI-Methode
Bei der ICSI wird ein einzelnes Spermium direkt in eine Eizelle eingebracht.
Diese Behandlung kommt oft infrage, wenn die Beweglichkeit oder Anzahl der Spermien eingeschränkt ist.
Auch hier erfolgt anschließend die Entwicklung des Embryos zunächst im Labor, bevor dieser in die Gebärmutter übertragen wird.
Welche Untersuchungen erfolgen vor der Behandlung?
Vor einer künstlichen Befruchtung werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt.
Dazu gehören unter anderem:
- ausführliches Beratungsgespräch,
- Blutuntersuchungen,
- Hormonbestimmungen,
- Ultraschall,
- Spermiogramm,
- Untersuchung der Gebärmutter und Eileiter.
Erst nach Auswertung aller Ergebnisse wird entschieden, welche Behandlung am besten geeignet ist.
Können Mangelzustände eine Rolle spielen?
Für eine geplante Schwangerschaft ist eine ausgewogene Versorgung mit wichtigen Nährstoffen sinnvoll. Dazu gehören unter anderem Eisen, Folsäure und weitere Vitamine.
Mehr über Eisenmangel während der Schwangerschaft erfahren Sie in unserem Beitrag Eisenmangel Schwangerschaft.
Was passiert bei einer künstlichen Befruchtung? – Der Ablauf Schritt für Schritt
Der genaue Ablauf einer künstlichen Befruchtung hängt von der gewählten Methode ab. Dennoch ähneln sich viele Behandlungsschritte.
Erstberatung
Zu Beginn findet ein ausführliches Gespräch in einer Kinderwunschklinik statt.
Dabei werden unter anderem folgende Fragen besprochen:
- Wie lange besteht der Kinderwunsch?
- Gab es bereits Schwangerschaften?
- Welche Vorerkrankungen liegen vor?
- Welche Medikamente werden eingenommen?
- Welche Untersuchungen wurden bereits durchgeführt?
Auf Grundlage dieser Informationen wird ein individueller Behandlungsplan erstellt.
Medizinische Untersuchungen
Vor Beginn der Behandlung erfolgen verschiedene Untersuchungen.
Dazu gehören häufig:
- Blutuntersuchungen,
- Hormonanalysen,
- Ultraschall,
- Spermiogramm,
- Kontrolle der Gebärmutter,
- Untersuchung der Eileiter.
So kann festgestellt werden, welche Behandlung am besten geeignet ist.
Hormonelle Stimulation
Bei einer IVF oder ICSI erhält die Frau meist Hormone, damit mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen.
Während dieser Phase erfolgen regelmäßige Ultraschalluntersuchungen und Blutkontrollen. Dadurch kann das Wachstum der Eibläschen genau beobachtet werden.
Sobald die Eizellen ausreichend entwickelt sind, wird der nächste Behandlungsschritt geplant.
Entnahme der Eizellen
Sind die Eizellen reif, werden sie in einem kurzen medizinischen Eingriff entnommen.
Die Entnahme erfolgt meist unter einer kurzen Narkose oder Beruhigung. Viele Patientinnen können die Klinik noch am selben Tag wieder verlassen.
Befruchtung im Labor
Nach der Entnahme beginnt der eigentliche Befruchtungsschritt. Dabei erfolgt die Befruchtung der Eizellen mithilfe moderner reproduktionsmedizinischer Verfahren unter sorgfältig überwachten Laborbedingungen.
Je nach Behandlung erfolgt:
die klassische IVF,
oder die ICSI, bei der ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht wird.
Anschließend beobachten Spezialisten die Entwicklung der befruchteten Eizellen.
Embryotransfer
Entwickeln sich gesunde Embryonen, werden sie nach wenigen Tagen vorsichtig in die Gebärmutter eingesetzt.
Der Eingriff dauert meist nur wenige Minuten und ist häufig ohne Narkose möglich.
Danach beginnt das Warten auf den Schwangerschaftstest.
Wie lange dauert eine künstliche Befruchtung?
Von der ersten Untersuchung bis zum Schwangerschaftstest vergehen häufig mehrere Wochen.
Der genaue Zeitraum hängt unter anderem ab von:
- der gewählten Behandlung,
- dem Menstruationszyklus,
- den Untersuchungsergebnissen,
- dem individuellen Behandlungsplan.
Nicht jede Behandlung führt sofort zu einer Schwangerschaft. Deshalb können manchmal mehrere Behandlungszyklen erforderlich sein.
Wie hoch sind die Erfolgschancen?
Viele Paare fragen sich, wie erfolgreich eine künstliche Befruchtung ist.
Eine allgemeingültige Erfolgsquote gibt es jedoch nicht. Die Chancen hängen von verschiedenen Faktoren ab.
Dazu zählen unter anderem:
- Alter der Frau,
- Ursache des unerfüllten Kinderwunsches,
- Qualität der Eizellen,
- Qualität der Spermien,
- allgemeiner Gesundheitszustand,
- gewählte Behandlungsmethode.
Die behandelnde Kinderwunschklinik kann die persönliche Situation am besten einschätzen.
Welche Risiken gibt es?
Wie jede medizinische Behandlung ist auch eine künstliche Befruchtung mit möglichen Risiken verbunden.
Dazu gehören beispielsweise:
- Nebenwirkungen der Hormonbehandlung,
- Beschwerden nach der Eizellentnahme,
- Mehrlingsschwangerschaften,
- psychische Belastung durch wiederholte Behandlungsversuche.
Schwere Komplikationen sind insgesamt selten, sollten jedoch im Beratungsgespräch ausführlich besprochen werden.
Gibt es Nebenwirkungen?
Während der Hormonbehandlung können unter anderem folgende Beschwerden auftreten:
- Spannungsgefühl im Bauch,
- Müdigkeit,
- Kopfschmerzen,
- Übelkeit,
- Stimmungsschwankungen,
- leichte Wassereinlagerungen.
Nicht jede Frau entwickelt diese Beschwerden. Viele Nebenwirkungen verschwinden nach Abschluss der Behandlung wieder.
Welche Medikamente werden verwendet?
Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz.
Sie können beispielsweise:
- den Eisprung fördern,
- die Reifung der Eizellen unterstützen,
- den Zeitpunkt des Eisprungs steuern,
- die Gebärmutterschleimhaut auf die Schwangerschaft vorbereiten.
Während einer bestehenden oder geplanten Schwangerschaft sollten Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache eingenommen werden. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag Schmerzmittel Schwangerschaft.
Ist eine künstliche Befruchtung belastend?
Für viele Paare ist die Behandlung nicht nur körperlich, sondern auch emotional herausfordernd.
Ungewissheit, Hoffnungen und Enttäuschungen können sich auf das Wohlbefinden auswirken.
Deshalb empfinden viele Betroffene Gespräche mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt sowie psychologische Beratungsangebote als hilfreich.
Spielt das Alter eine Rolle?
Ja. Mit zunehmendem Alter nimmt insbesondere die Fruchtbarkeit der Frau ab.
Deshalb wird häufig empfohlen, einen unerfüllten Kinderwunsch frühzeitig ärztlich abklären zu lassen.
Auch beim Mann kann das Alter die Fruchtbarkeit beeinflussen, wenn auch meist weniger stark als bei Frauen.
Können Lebensstil und Ernährung die Fruchtbarkeit unterstützen?
Ein gesunder Lebensstil kann die allgemeine Gesundheit fördern und spielt auch bei einem bestehenden Kinderwunsch eine wichtige Rolle. Zwar kann eine ausgewogene Ernährung medizinische Ursachen einer Unfruchtbarkeit nicht beheben, sie kann den Körper jedoch auf eine Schwangerschaft vorbereiten.
Empfohlen werden unter anderem:
- viel Obst und Gemüse,
- Vollkornprodukte,
- ausreichend Eiweiß,
- gesunde Fette,
- regelmäßige Bewegung,
- ausreichend Schlaf,
- möglichst wenig Alkohol,
- Verzicht auf Rauchen.
Auch ein normales Körpergewicht kann sich positiv auf die Fruchtbarkeit auswirken.
Welche Vitamine sind bei Kinderwunsch wichtig?
Bei einem Kinderwunsch empfehlen Ärztinnen und Ärzte häufig bereits vor einer Schwangerschaft eine ausreichende Versorgung mit wichtigen Nährstoffen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Folsäure,
- Eisen,
- Vitamin D,
- Jod (je nach ärztlicher Empfehlung).
Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte jedoch immer mit einer Ärztin oder einem Arzt abgesprochen werden.
Auch ein Vitamin-D-Mangel kann den Körper beeinflussen. Wie sich ein Mangel bei Kindern bemerkbar machen kann, erfahren Sie in unserem Beitrag Vitamin D Mangel Symptome Kinder.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist eine künstliche Befruchtung schmerzhaft?
Viele Behandlungsschritte werden gut vertragen. Die Eizellentnahme erfolgt in der Regel unter einer kurzen Narkose oder Sedierung. Leichte Beschwerden danach sind möglich, klingen aber häufig innerhalb weniger Tage ab.
Wie lange dauert eine künstliche Befruchtung?
Von der ersten Untersuchung bis zum Schwangerschaftstest vergehen meist mehrere Wochen. Der genaue Zeitraum hängt von der gewählten Methode und dem individuellen Behandlungsplan ab.
Wie hoch sind die Erfolgschancen?
Die Erfolgschancen unterscheiden sich von Person zu Person. Alter, Gesundheitszustand, Ursache des unerfüllten Kinderwunsches und die gewählte Behandlungsmethode spielen dabei eine wichtige Rolle.
Kann eine künstliche Befruchtung mehrfach durchgeführt werden?
Ja. Falls eine Behandlung nicht erfolgreich ist, können nach ärztlicher Beratung weitere Behandlungszyklen möglich sein.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Ob und in welchem Umfang Kosten übernommen werden, hängt vom jeweiligen Land, den gesetzlichen Regelungen und der Krankenversicherung ab. Vor Beginn der Behandlung sollte man sich individuell beraten lassen.
Gibt es Alternativen zur künstlichen Befruchtung?
Ja. Je nach Ursache können zunächst andere Behandlungen infrage kommen, beispielsweise eine Hormontherapie oder die Behandlung einer zugrunde liegenden Erkrankung. Welche Möglichkeit sinnvoll ist, entscheidet die behandelnde Fachärztin oder der behandelnde Facharzt.
Wann sollte man ärztlichen Rat einholen?
Bleibt eine Schwangerschaft trotz regelmäßigen ungeschützten Geschlechtsverkehrs über längere Zeit aus, kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein.
Eine frühzeitige Beratung ist besonders empfehlenswert,
- wenn die Frau über 35 Jahre alt ist,
- bekannte hormonelle Erkrankungen vorliegen,
- Menstruationsstörungen bestehen,
- bereits Fehlgeburten aufgetreten sind,
- beim Mann eine eingeschränkte Fruchtbarkeit vermutet wird.
Je früher mögliche Ursachen erkannt werden, desto gezielter können passende Behandlungsmöglichkeiten besprochen werden.
Fazit
Die Antwort auf die Frage „Was ist eine künstliche Befruchtung?“ lautet: Es handelt sich um verschiedene medizinische Verfahren, die Menschen mit unerfülltem Kinderwunsch dabei unterstützen können, eine Schwangerschaft zu erreichen.
Ob Insemination, IVF oder ICSI – welche Methode geeignet ist, hängt von der jeweiligen Ursache und der persönlichen Situation ab. Vor jeder Behandlung stehen ausführliche Untersuchungen und eine individuelle Beratung.
Neben der medizinischen Therapie können auch ein gesunder Lebensstil und eine ausgewogene Ernährung den Körper unterstützen. Gleichzeitig ist es wichtig, realistische Erwartungen zu haben und sich bei Fragen oder Unsicherheiten an eine erfahrene Kinderwunschklinik zu wenden.



